Venedig ist nicht nur Stadt, sondern ein Lebensgefühl – gebaut auf Holzpfählen, getragen vom Wasser und umgeben von einer der faszinierendsten Lagunenlandschaften Europas. Wer glaubt, Venedig sei „in zwei Tagen durch“, hat die Rechnung ohne die Lagune gemacht. Die rund 550 km² große Lagune von Venedig besteht aus über 100 Inseln, Sandbänken, Wasserstraßen, Schlickflächen und Marschland – ein Mikrokosmos aus Geschichte, Handwerk, Natur und echtem Leben.



Warum Venedig?
Venedig steht für Zeitlosigkeit. Für einen Rhythmus, der nicht auf Asphalt basiert, sondern auf Wasserwegen. Statt Hupen hört man Ruder. Statt Beton sieht man Fassaden, die Jahrhunderte überstanden haben. Die Stadt ist ein Freilichtmuseum – aber lebendig. Mit Cafés, Kunst, Märkten und echtem Alltag. Wer hierher kommt, merkt schnell: Das ist keine Kulisse. Das ist Realität – auf eine stille, elegante Weise.
🌊 Die Lagune von Venedig – mehr als nur Wasser rund um die Stadt
Die Lagune ist Venedigs Ursprung und Lebensgrundlage. Ohne sie gäbe es die Stadt nicht. Hier entstanden erste Siedlungen zur Zeit der Völkerwanderung, hier entwickelte sich das maritime Know-how, das Venedig zur Weltmacht machte. Heute ist die Lagune ein UNESCO-Welterbe – nicht nur wegen Venedig selbst, sondern auch wegen ihres ökologischen, kulturellen und historischen Werts.
Sie ist Lebensraum für seltene Vogelarten, beherbergt jahrhundertealte Klöster, Gemüsegärten, Handwerksbetriebe – und bietet Stille, die man in der Altstadt vergeblich sucht. Wer Venedig wirklich erleben will, lässt sich auch auf die Lagune ein.
📍 Insel-Hotspots in der Lagune
Hier eine Auswahl der wichtigsten und lohnenswertesten Inseln – mit Charakter und konkreten Tipps:
🟥 Murano – Die Glasinsel
Nur 10 Minuten mit dem Vaporetto von Venedig entfernt. Seit dem 13. Jahrhundert das Zentrum venezianischer Glasbläserkunst – einst streng bewacht wie ein Staatsgeheimnis.
Highlights:
- Besuch einer Glasbläserei mit Live-Demonstration
- Museo del Vetro (Glasmuseum)
- Kirche Santa Maria e Donato mit byzantinischem Bodenmosaik
- Weniger touristisch: die äußeren Gassen Richtung Leuchtturm
🟦 Burano – Farben & Fischerdorf-Flair
Unverwechselbar durch die bunten Häuser, ursprünglich gestrichen, damit Fischer ihre Häuser im Nebel besser erkennen konnten. Heute ein beliebtes Instagram-Motiv – aber auch ein Ort mit echter Seele.
Highlights:
- Spaziergang über die Inselgassen & Kanäle
- Venezianische Spitzenstickerei (Museo del Merletto)
- Essen bei Trattoria da Romano (berühmter Risotto di Go)
- Sonnenuntergang am kleinen Hafen – einer der schönsten in der Lagune
🟩 Torcello – Ursprung Venedigs
Nur wenige Minuten von Burano entfernt, aber komplett anders: still, weitläufig, fast unbewohnt (weniger als 10 Einwohner), mit archäologischer Bedeutung. Die Insel gilt als Wiege Venedigs, besiedelt bereits im 5. Jahrhundert.
Highlights:
- Kathedrale Santa Maria Assunta (7. Jh.) mit Mosaiken aus byzantinischer Zeit
- Thron des Attila – historischer Steinsitz im Freien
- Spaziergang durch grüne, menschenleere Wege – ideal zum Durchatmen
🟨 Sant’Erasmo – Der Gemüsegarten Venedigs
Die größte Insel der Lagune, touristisch kaum erschlossen. Hier wachsen Artischocken, Radicchio & Zucchini für Venedigs Märkte. Viel Natur, ideal für Radfahrer und Ruhesuchende.
Highlights:
- Bauernmärkte & Weingut „Orto di Venezia“
- Picknick im Grünen mit Blick auf die Stadt
- Perfekt für Halbtagesausflug abseits des Trubels
🏖 Lido di Venezia – Strand & Stadt in einem
Ein schmaler Sandstreifen zwischen Adria und Lagune – mit Autos, Hotels, Villen und einem endlosen Strand. Kontrastprogramm zu Venedig, aber für viele der perfekte Tagesausklang.
Highlights:
- Strandtag mit Blick auf die Alpen (bei klarer Sicht)
- Fahrradtour entlang der Promenade
- Venedig Filmfestival (Ende August/Anfang September)
- Aperitivo bei Sonnenuntergang in einer der Beach Bars
🧭 Weitere sehenswerte Spots
- San Giorgio Maggiore: Von hier aus der beste Blick auf den Markusplatz. Aufstieg auf den Campanile lohnt sich – kein Andrang, grandiose Sicht.
- Giudecca: Entspannter Stadtteil mit Blick auf Dorsoduro. Weniger Touristen, aber gute Lokale.
- San Michele: Friedhofsinsel – still, beeindruckend, mit berühmten Gräbern (u.a. Ezra Pound, Igor Strawinsky).
🍝 Essen & Trinken – Authentisch genießen
In Venedig isst man am besten abseits der Touristenachsen – im jüdischen Ghetto, in Dorsoduro oder Cannaregio:
- Al Bottegon (Cantinone Gia Schiavi) – Legendäre Cicchetti & Wein
- Osteria alle Testiere – Kleine Karte, alles frisch, oft ausgebucht
- Antiche Carampane – Familienbetrieb mit Fokus auf lokale Küche
- Trattoria da Romano (Burano) – Berühmt für Risotto, aber reservieren!
- Caffè Rosso (Campo Santa Margherita) – Ideal zum Leute schauen
🛏 Unterkunft – Stilvoll oder ruhig schlafen
- Luxus: Gritti Palace, Belmond Hotel Cipriani – Venedig wie im Film
- Boutique: Hotel Antiche Figure (Canal Grande), Ca’ Pisani (Dorsoduro)
- Budget: Combo Venezia – stylisch, zentral, jung
- Alternativ: Agriturismo auf Sant’Erasmo oder Ferienwohnung auf Burano – besonders für längere Aufenthalte interessant
⏳ Zeitplanung
- 2–3 Tage: Altstadt, Klassiker & ein Insel-Ausflug
- 5–7 Tage: Venedig plus mehrere Laguneninseln, Baden, Kultur
- Mehr als eine Woche: Perfekt für Slow Travel & entspannte Erkundung
🗓 Klima & beste Reisezeit
- Frühling (März–Mai): Ideal – mild, blühend, noch nicht überlaufen
- Sommer (Juni–August): Heiß (30–35 °C), teils schwül, aber mit Bademöglichkeit
- Herbst (Sept–Okt): Angenehm warm, goldene Lichtstimmung
- Winter (Nov–Feb): Nebel, Ruhe, Romantik – Venedig für Fortgeschrittene
- Aqua Alta (Hochwasser): Kann im Herbst/Winter auftreten, ist aber mit Stegen organisiert und gut vorhersehbar
🧭 Fazit
Wer nur Venedig sieht, hat nur die halbe Wahrheit erlebt. Die Lagune ist der Schlüssel zum Verständnis dieser einzigartigen Stadt. Hier lebt Geschichte, Natur, echtes Leben – und das alles auf Wasser. Es lohnt sich, mehr Zeit einzuplanen und nicht nur durchzurasen. Venedig & die Lagune sind ein Erlebnis, das bleibt.
